6. Etappe

Rifugio Claudio e Bruno – Blinnenhorn – Rifugio Claudio e Bruno – Piano dei Camosci – Griespass – Capanna Corno Gries

Blinnenhorn - Gipfelerlebnis
Blinnenhorn - Gipfelerlebnis

Das 3374 Meter hohe Blinnenhorn thront zuhinterst im Blinnental. Der grosse, kalte Gommer Berg ist auf Schweizer Seite im Sommer nur mit alpiner Ausrüstung ab Reckingen und dem Blinnental oder ab dem Griesstausee via Griesgletscher begehbar. Von der italienischen Seite kann der Gipfel aber problemlos ohne alpine Ausrüstung erwandert werden.

Auf Italienisch heisst der Berg Corno Cieco (cieco = blind); auch auf alten Schweizer Landkarten bis 1972 wird er als Blindenhorn bezeichnet. Bei gutem Wetter lohnt es sich allerdings, diesen Gipfeltag mit offenen Augen zu
geniessen!

Die Aussicht vom Gipfel ist grandios. Da ist der atemberaubende Blick hinunter ins Blinnental und nach Reckingen, auf den Griesgletscher und –stausee mit den 4 Windrädern. Dann die Aussicht auf die Urner, Walliser und Berner Alpen mit dem majestätischen Finsteraarhorn gleich vis-à-vis. Und nach Süden schweift der Blick über die zahlreichen, sich scheinbar endlos aneinander reihenden Bergketten.

Von der Ostflanke des Gipfels des Blinnenhorns erstreckt sich der Griesgletscher Richtung Griespass und endet heute ein paar hundert Meter vor dem Griesstausee. Als die Staumauer in den Jahren 1963 bis 1966 gebaut wurde und das Wasser gestaut wurde, war es noch ein Thema, ob der Gletscher eines Tages bis zur Mauer vorstossen und diese zerstören könnte.

Die ersten Jahre kalbte der Gletscher noch Eisberge in den Griessee und bis in die 1980er Jahre war der Eisverlust bescheiden. Seither ist der Rückgang des Gletschers enorm; so war der Rückgang des Griesgletschers in den letzten Jahren jährlich jeweils über 20 m Länge pro Jahr, in den Jahren 2014 und 2015 sogar 45 m pro Jahr. Glaziologen rechnen damit, dass der Gletscher Mitte Jahrhundert ganz verschwunden sein wird.

Das Schmelzwasser des Griesgletschers fliesst heute übrigens statt in die Rhone durch mehrere Kraftwerksstufen in den Robieistausee im Maggiatal, den Lago Maggiore, den Fluss Ticino und schlussendlich in den Po und die Adria.