1. Etappe

Reckingen – Blinnental – Ernergalen – Mühlebach – Ernen

Reckingen. Stalenkapelle
Reckingen. Stalenkapelle

Das Obergoms ist ein typisches U-Tal: das weite Hochtal verdankt seine Form dem Rhonegletscher, dessen heute noch sichtbaren Endmoränen – so z.B. der Kirchhügel von Obergesteln - und den beiden durch Bergstürze entstandenen Talriegeln, dem Münstiger- und dem Ritzingerfeld.

Die obersten Gommer Dörfer sind stark durch ihre verkehrstechnische Lage geprägt. Der Saumverkehr zwischen der Zentralschweiz und Oberitalien aber auch ins Urnerland belebte die Dörfer, brachte Wohlstand und war auch gut für so manch eine Geschichte, so etwa die vom legendären Weger Baschi, der so gross und stark war, dass er sein Maultier kurzerhand schulterte und über einen, auf dem Weg liegenden Baumstamm getragen hat.

Einfluss und Wohlstand brachte im 17. und 18. Jahrhundert neben dem Handel auch die Söldnerei. So mancher Batzen ist dabei auch in die Pfarrkirchen und zahlreichen Kapellen geflossen. So gilt die Pfarrkirche von Reckingen als der bedeutendste barocke Sakralbau des Oberwallis, der spätgotische Hochaltar der Pfarrkirche in Münster zählt zu den schönsten und wertvollsten der Schweiz und ein wahrer Blickfang ist die von weit sichtbare Wallfahrtskappelle „Unsere Liebe Frau auf dem Ritzingerfeld“.

Traditionell sind die Wohn- und Nutzbauten in den Obergommer Dörfer aus Lärchenholz gebaut, und die sonnenverbrannten Gebäude stehen in Kontrast zur umliegenden Landschaft. Obergesteln und Blitzingen bilden aber eine Ausnahme. Beide Dörfer fielen verheerenden Dorfbränden zum Opfer. Blitzingen wurde dem Zeitgeist der 1930er Jahre entsprechend im Heimatstil wiederaufgebaut. Der Wiederaufbau von Obergesteln erfolgte hingegen nicht in der traditionellen Holzbauweise, sondern in Stein. Dies geschah wohl aus nüchternen Überlegungen, nämlich um weitere Brände zu verhindern. Geprägt sind alle Ortsbilder durch drohende Naturgefahren. Die Lawinenzüge schränken einerseits den überbaubaren Boden ein und mächtige Schutzdämme schützen die Dörfer, vor bis ins Tal donnernden, Lawinen.

Heute ist der Tourismus ein wichtiges Standbein der Region. Der König der Hoteliers und Hotelier der Könige, Cäsar Ritz (1850-1918) aus Niederwald allerdings machte seine Karriere noch nicht im Goms. Aber seit den frühen 1970er Jahren hat sich das Obergoms im Winter zu einem Langlaufmekka entwickelt. Im Sommer bietet das Gebiet mehrere hundert Kilometer Wanderwege an; davon profitiert auch die Tour Blinnenhorn: die gesamte Tour führt über bestehende Wanderwege. Gleich zwei Schutzgebiete treffen im Goms aufeinander: der Landschaftspark Binntal und das Unesco Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch weisen auf die zahlreichen Natur- und Kulturwerte, welche es zu pflegen und zu schützen gilt.

Als Ausgangspunkt für die Tour bietet sich das Dorf Reckingen am Eingang zum Blinnental oder ein anderes Dorf im Obergoms an. Insgesamt besteht das Hochtal des Obergoms aus den zwölf Dörfern Niederwald, Blitzingen, Selkingen, Biel, Ritzingen, Gluringen, Reckingen, Münster, Geschinen, Ulrichen, Obergesteln und Oberwald.

Die Rundtour beginnt gleich mit der längsten Etappe und bietet landschaftlich bereits einige Highlights. Das langgezogene, einsame Blinnental bietet einen sanften Einstieg in die Tour; dann folgen ein steiler Aufstieg zur Chummefurgge, die aussichtsreiche Traversierung des Erner Galens und ein langer Abstieg hinunter nach Mühlebach und Ernen. Im Blinnental bietet sich ein erster Blick auf das Blinnenhorn; es kann von der Schweizer Seite allerdings nur mit alpiner Ausrüstung bestiegen werden.

In den Sommermonaten befinden sich auf dem Erner Galen zahlreiche Schafherden mit Herdenschutzhunden. Wer also die Tour über den Erner Galen wählt, informiert sich im Voraus gut über den korrekten Umgang mit Herdenschutzhunden, etwa auf der Webseite der Schweizer Wanderwege https://www.wandern.ch/de/wandern/sicher-unterwegs... oder auf der Herdenschutz-Webseite: http://www.protectiondestroupeaux.ch/faq-was-tun/a...

Wer die Tour gemütlich angehen will, entscheidet sich für die Talwanderung von einem der Obergommer Dörfer nach Niederwald und weiter nach Steinhaus, Mühlebach oder Ernen (siehe Variante). Je nach Ausgangsort sind dafür 2 Tage einzuplanen.